Brunos Blog

Freitag, 26. März 2010
 
Die Batterien sind leer, die Luft ist draussen, doch zum Glück (oder leider – je nach sichtweise) ist die WM zu Ende…Drittletzter, d.h. einen Platz besser als das Minimalziel J… Ein wunderbares Abenteuer ist in wenigen Stunden vorbei. Antonio, der beste Volunteer der WM, musste leider frühzeitig weg, doch er hat sich zuvor bei uns verabschiedet.
Um 19 Uhr stand das Final Dinner an. Noch einmal kleidete ich mich in meine edelsten Kleider und genoss das Aperobuffet und das Essen, wie immer am deutschsprechenden Tisch, an dem es aufgrund einiger sehr positiver Personen jeweils lustig zu und her ging. Vor allem der König und seine Madame Purple (der DL von Rumänien mit seiner Frau, deren Lieblingsfarbe Pink/Violett ist) sind ein Thema, da er mit seinem Verhalten immer wieder auffällt, wodurch wir zu Sprüchen und Witzen angeregt sind… Nach dem Essen war Verabschieden von den wichtigen Personen angesagt…
Die Abschlussfeier..wow… waren das qualitativ hochstehende Tanzeinlagen… ein Genuss zum Zuschauen…
Doch jetzt ist es vorbei und bald fliegen wir nach Hause. Das positivste daran: Endlich kann ich mich wieder selbst sportlich betätigen, denn das rumsitzen und stundenlange Busfahren habe ich langsam satt. Wie auch täglich Fisch. Ein- bis zweimal pro Woche Fisch ist ja in Ordnung, aber nicht täglich… da bekomm ich ja Kiemen und Schuppen. Ebenso freue ich mich wieder auf eine richtig grosse Portion Salat mit guter Sauce. Hier gibt’s, wenn überhaupt nur wenig Salat und die Sauce… naja sie ist flüssig, aber französische Sauce ist schon anders… Doch im Grossen und Ganzen möchte ich mich nicht übers Essen beklagen. Es war meistens gut bis sehr gut.
Doch was bleiben wird sind die zahlreichen Erlebnisse und Erfahrungen und diese sind überwältigend….
 
Donnerstag, 25. März 2010
 
Der heutige Tag begann denkbar schlecht: Zweimal wurde mein Schlaf von einem Anruf unterbrochen. Während dem Morgenessen hagelte es kurz kleine Eiskörner. Als ich mit dem Bus zum Mittagessen fahren wollte, verpasste ich den Bus um drei Minuten, da die Organisatoren am zweitletzten Turniertag eine neue Tugend – die Pünktlichkeit – entdeckt haben. Daher lernte ich den Weg via Treppe bei der Bom Jesus Kirche (architektonisches Wahrzeichen von Braga) hinunter zur Stadt kennen. Nach nur 30 Minuten erreichte ich die Universität.
Und dann am Nachmittag: Endlich, der erste Sieg ist erreicht! Mit einer kämpferisch überzeugenden Leistung haben wir unser Minimalziel “Nicht Letzter“ erreicht…Das zweite Erfreuliche: Meine beiden Schulsportlerinnen Tamara und Rahel haben ihre ersten Tore erzielt….yaeeeee…..Nach dem Match wieder dasselbe Bild: Autogramme, Fotos, Küsschen…Es ist eine Freude, als eines der schwächsten Teams im Turnier diese Unterstützung und Begeisterung des Publikums zu erfahren….

 
Mittwoch, 24. März 2010
 
Wie Dani bereits in seinem Blog geschrieben hat, liess ich ihn für einmal im Blogschreiben gewinnen und widmete mich stattdessen der lokalen Kultur. Doch bevor das geplante Programm von Antonio starten konnte, sorgte das Ende der Disco für ein Highlight, denn die Polen und andere Teams hatten nicht registriert, dass in der heutigen WM-Zeitung darüber informiert wurde, dass man die Getränke persönlich bezahlen musste, also tanzten sie ohne Geld an und prompt kam es zu gehässigten Diskussionen, da die einen (Deutsche und Rumänen) nach Hause wollten – nach 1h Wartezeit im Bus - und andere immer noch in der Disco steckten. Das ganze Rösslispiel des OKs und der ISF war anwesend. Die „Tumulte“ aufgelöst gingen wir in ein Restaurant zu einem kurzen Imbiss: Gegrilltes Sandwich mit Rindfleisch bestellte Antonio für sich und mich… sehr fein. Wir waren etwa zu zehnt. Ebenfalls anwesend waren der OK-Chef und seine Stellvertreter, der italienische ISF-Chef und einige Volunteers.
Danach zogen Antonio und ich um die Häuser … es regnete in Strömen… bis wir wieder Richtung unserer Hotels aufbrachen. Noch weit vor Sonnenaufgang, traf ich dort ein und erhielt von Eduardo die neusten Infos bezüglich Spielplan für morgen: Um 15.50 Uhr spielen wir gegen Tschechien, die heute knapp gegen Italien verloren haben. Sie sollten also in unserer Reichweite liegen, doch muss ein Spiel immer zuerst gespielt werden.
So, nun muss auch ich ins Bett, damit ich morgen wieder fit bin für den zweitletzten Turniertag…. oder war noch etwas zu erzählen? Ah ja, heute Morgen gab es für uns DLs kein Ausschlafen, sondern es stand wieder einmal eine Busfahrt auf dem Programm: VIP-Programm wurde das im Tagesplan genannt: Wir besuchten die Portweinkellerei Sandeman in Porto. Im Gegensatz zum Portwein, der mir (noch) nicht sehr geschmeckt hat … weil zu süss/klebrig bzw. holzig… war die Führung sehr spannend und hat mein önologisches Wissen – ich staune selbst ab meinem Wortschatz um diese Uhrzeit – um einen wichtigen Teil erweitert. Immerhin war die Rückfahrt nicht mehr verregnet wie die Hinreise und so kenne ich nun die Gegend zwischen Porto und Braga ebenfalls….
 
Dienstag, 23. März 2010
 
Nach vier sieglosen Spielen habe ich heute entschieden, das Coaching zu übernehmen und uns auf den 5.Platz zu führen…nein, nein so ist es dann doch nicht. Es ging eher darum, dass Dani seine Stimme schonen konnte… oder dass wir jetzt beide heiser sind? Ich weiss es nicht mehr. Jedenfalls hatten wir zu Beginn starke Probleme mit dem Spiel der Polinnen, doch kamen wir immer besser ins Spiel und v.a. in der zweiten Halbzeit zeigten wir einige sehr gute Kombinationen… Das Spiel gegen diese guten Teams scheint bei uns langsam aber sicher Fortschritte zu zeigen…
Am späteren Nachmittag zeigten die Veranstalter uns noch ganz kurz das Meer: 30 Minuten Aufenthalt bei 2.5h Fahrzeit mit dem Bus. Doch das Busfahren ist mittlerweile kein Problem mehr, üben wir dies doch täglich mehrere Male und für ausreichend Zeit… Ich denke, nächste Woche werde ich zumindest zu Beginn mit dem Posti in die Schule fahren, um allfälligen Entzugserscheinungen vorzubeugen… Heute hatte ich etwas Schokolade mitgenommen um den andern DLs anzubieten. Die Schokolade ging weg wie „warmi Weggli“. Sergio und Eduardo boten mir sogar eine portugiesische Schokolade („Bad Chocolate“ wie sie sagen) zum Tausch an. Ich stimmte dem Tausch zu… die Schokolade war gar nicht sooo schlecht.
Nun versuche ich vom brasilianischen Trainer noch die entscheidenden Tipps für das morgige Spiel gegen Zypern zu erhalten….
 
Montag, 22. März 2010
 
Heute war Kleiderschlacht angesagt… Gestern musste ich ja meine Tasche bei Dani zurücklassen. Ausser eine (zum Glück nicht matschige) Birne hat er mir keine Eier in die Tasche gelegt… Das Team traf ich in der Halle Lamacaes zum Spiel gegen Italien. Die Spielerinnen waren spürbar nervös, doch nach anfänglichen Schwierigkeiten haben wir uns zurückgekämpft und mit einer überzeugenden Teamgeist konnten wir die zweite Halbzeit mitbestimmen und haben dann verdient unentschieden gespielt: „Switzerland 1 Point“ J
Nach dem zweiten Spiel, das wir gegen Slowenien standesgemäss verloren haben, musste ich mich vorbereiten auf das bevorstehende Dinner im Panoramic Restaurant. Sportlich elegant war die Devise: Anzug, Krawatte, Turnschuhe, Freizeitjacke. Einige Delegationsleiter hatten Mühe mit der Anreise, deshalb startete das Dinner um 19.45 statt um 18.30 Uhr. An meinem Tisch waren die DL aus Deutschland, Österreich, Belgien, Zypern und Israel… Glücklicherweise waren unsere beiden Guides Sergio und Eduardo noch anwesend, sonst wäre ich deutlich der Jüngste gewesen.
Im Anschluss folgte die Veranstaltung „Begegnung der Nationen“: Bekannte besuchen und neue kennenlernen, Gespräche führen und Volkstänze mittanzen… Doch wo schlafe ich diese Nacht? Schlafe ich bei Dani im Zimmer auf dem Fussabtreter oder laufe ich noch den Berg hoch nach Bom Jesus? Egal was kommt, heute haben wir unsern ersten Punkt an der WM gewonnen, dafür nehme ich viele Strapazen in Kauf. Wieder einmal konnte ich mich auf die Organisatoren und befreundete Volunteers verlassen, die mir ein Privattaxi zum Hotel ermöglichten. Zwar ist nicht alles ideal, doch sie tun ihr Bestes, genau wie unser Team… sie kämpfen, geben ihr Bestes und halten zusammen…. Auch morgen wieder, wenn wir um 10.30 Uhr gegen Polen spielen.
 
Sonntag, 21. März 2010
 
Zuerst getestet und dann zum Privatchauffeur befördert - Antonio du bist der beste Volunteer „Hoi, mer spele scho am 12i, warschinli weder ide Halle wo gester, gibder no Bscheid.“ So lauteten die Worte von Dani beim ersten Telefonat. Aha, so wird es uns sicherlich nicht langweilig. Immer spontan vor neue Probleme gestellt. Denn wie komme ich nun in diese Halle? Welche Halle überhaupt? Doch bis jetzt ist es immer gut gekommen… auch heute.
Im Match gegen unsere nördlichen Nachbarn liefen und warfen diese doch, als ob das Sprint- und Wurftempo gemessen würde… wir waren da etwas gemächlicher, doch haben wir gut gekämpft und bis zum Schluss durchgehalten. Stolz bin ich auf unsere Torhüterinnen, die sich ihrer schweren Aufgabe tapfer gestellt haben und die Statistik der Paraden wohl gewonnen haben – okay ich gebe zu, die deutschen Torhüterinnen hatten auch nicht so viele Möglichkeiten zum Abwehren, da die agile, aggressive Verteidigung davor schon viele Angriffe unterbinden konnte…
Beim Nachtessen hatten Dani und ich die Idee, dass wir am Ausgang Volunteer Antonio, den wir bereits am Donnerstagabend kennengelernt hatten, testen möchten, ob er unsere Namen wirklich kennt oder jeweils auf der Trainerjacke oder auf der Identifikationskarte spickt… Wir tauschten unsere Karten und Jacken und so kam es beim Ausgang der Mensa zu folgender Situation: „Hi Bruno…. Daniel?“… ein breites Grinsen zeigte sich auf unseren Gesichtern – Test bestanden!
Das Abendprogramm war gestrichen, deshalb gingen wir in einer amerikanischen FastFood-Kette Eis essen. Doch wie komme ich danach noch den Berg hoch? Bei Dani im Zimmer auf dem Boden zu schlafen ist dann doch keine Alternative…. Also habe ich Antonio gefragt und er antwortete: „ Ruf mich an und ich fahr dich hoch!“ – Früher anreisen lohnt sich allemal… Um 21.30 rief er mich an, holte mich beim FastFood-Laden ab und brachte mich hoch auf den Hügel. Die Sporttasche musste ich im Zimmer bei Dani lassen…muss er sie mir halt morgen mitbringen.
 
Samstag, 20. März 2010
 
Endlich ist es losgegangen!!
Hier ein paar Ausschnitte aus meinem Tagesablauf: 8.45 der brasilianische Delegationsleiter und ich (uns verbindet eine besondere Beziehung, schliesslich waren wir die ersten im Hotel, die ersten bei der Akreditierung… einzig mit der Sprache klappts nicht so: Er spricht nur portugiesisch und ich kein Wort) teilten uns den Reisecar nach Braga. Er stieg bei der Uni aus und ich war von da an mit dem Fahrer und dem Guide alleine. Wir fuhren alle Hallen in Braga an… zuletzt jene, wo ich das Deutschland-Portugal (unsere beiden ersten Gegner) schauen wollte.
Die Halle bebte bereits: Portugiesische Fans und der deutsche Elternfanclub (EFC2010) feuerten ihre Teams an und diese zeigten hervorragenden Handball. Das wird schwierig für uns gegen diese Teams… Doch wenn wir unser Bestes geben, dann können wir zufrieden sein mit uns, egal wie das Resultat heissen wird.
Und dann war es um 14.30 Uhr endlich soweit, das erste Spiel des ersten Fricker Schüler-WM-Teams startet. Schnell zeigte sich das geahnte, doch wir „metzgeten“ uns sehr gut. Die Halle war ein Traum… stellvertretend für die aufgrund des Regens zu rutschige Lamacães-Halle spielten wir in der Spielhalle von ABC Braga. Das muss ein richtiger Hexenkessel sein, auch wenn bereits etwas in die Jahre gekommen… 12:34 lautete zum Schluss das deutliche Verdikt, doch ich war stolz auf mein Team, das sein Bestes gegeben hat…
Die Eröffnungsfeier zeigte ein unterhaltsames Programm: Tänzerinnen, Trommlerinnen, Chor, Rollschuhfahrerinne, Band…. Wir sind mittendrin und dabei!!!
Während der Rückfahrt herrschte im Car der Delegationsleiter kritische Stimmung, weil nicht alle mit der Organisation der Transporte einverstanden sind. Doch wie auch mit meinem Team sage ich: „Sie geben ihr Bestes!“ Denn ab morgen gibt es bereits einen angepassten Fahrplan, so dass ich nicht bereits um 8Uhr beim Hotel los muss, sondern einen späteren Shuttle nehmen kann, denn schliesslich spielen wir erst um 15 Uhr. Ein weiteres lustiges Erlebnis hatte ich vor der Abfahrt: Der brasilianische Delegationsleiter stand orientierungslos auf dem Busparkplatz und wusste nicht, welchen Bus zu nehmen ist... Da wir uns ja nur mit Händen und Füssen verständigen können, ging ich also raus und zog ihn am Ärmel, damit er mit mir zum Bus kommt... Mit einem Lächeln und "Daumen hoch" zeigte er mir seine Dankbarkeit - ein Erlebnis, dass man nicht alle Tage machen kann.
Wie bereits gestern plauderte ich beim Blogschreiben noch etwas mit Michael, dem Delegationsleiter aus Deutschland, doch nun ist Zeit fürs Bett…Guet Nacht!
 
Freitag, 19. März 2010
 
Nach überstandener erster Nacht haben wir heute mit dem Anklimatisieren in Braga begonnen.
Die Mannschaft wurde nach dem Frühstück mit dem Extra-Car abgeholt (45 Plätze für 16 Personen). Die 20 minütige Stadtrundfahrt endete bei einer neu gebauten Halle. Während 90 Minuten konnte die Mannschaft parallel zur brasilianischen Mädchenmannschaft trainieren.
Meine Hauptaufgabe bestand heute Morgen darin, die Akkreditierung vorzunehmen. Um 10 Uhr holte Paul uns (der Delegationsleiter aus Brasilien und mich) mit dem Minibus im Hotel ab und wir fuhren nach Guimarães, wo ich uns fürs Turnier einschreiben konnte und das Material (Identifikationskarten, T-Shirts, Stadtpläne usw.) erhielt. Beim Mittagessen hatte ich Gelegenheit mit den beiden Schweizer Schiedsrichtern zu plaudern, bevor es zurück nach Braga ging und ich den Nachmittag gemeinsam mit dem Team verbringen konnte.
Das Turnier ist gut organisiert, die Transporte klappen und ich freue mich riesig, wenn morgen um 15 Uhr das Turnier definitiv losgeht.

Wann werden wir beim Hotel abgeholt? Wo essen wir zu Mittag? Wie läuft das Shoot-out ab, falls das Spiel unentschieden steht? Wie läuft die Eröffnungszeremonie ab? Auf all diese Fragen haben Dani (mittlerweile im OK der WM: Ressort „Wer bringt das Harz?“) und ich heute Abend während der Information Antworten erhalten. Nun sind wir gerüstet für die Herausforderungen, die in den nächsten Tagen auf uns zukommen werden. Damit gehe ich schlafen…..