Danis Blog

Samstag, 27. März 2010
 
Ich schreibe diesen Blog-Eintrag nicht am Samstag. Heute ist Montag. Es ist mittlerweile Sommerzeit, und dieser Zeitsprung um eine Stunde ist für mich fast ein bisschen symbolisch: Wir sind in einer anderen Zeit. Nicht mehr der Handball-Alltag dominiert uns, sondern der ganz normale Schulalltag zu Hause. Aber ich bin mir sicher, dass noch alle 17 von uns gedanklich immer wieder in die unmittelbare Vergangenheit abschweifen. Ich habe noch selten eine solch dichte Zeit erlebt wie in Braga, mit so vielen Eindrücken. Und ich habe mich heute erwischt, wie ich erstens wie ein Wasserfall plaudere und zweitens wie ich aus der Distanz Dinge zu realisieren beginne, die ich noch in Portugal nicht wahrgenommen habe. Unter anderem habe ich jetzt beim Durchlesen gemerkt, wie viele orthographische Fehler in meinen Blog-Texten versteckt waren. Ich bin ja in meinem Hotelzimmer mehrmals während des Schreibens eingeschlafen, so müde wie ich war. Das hat sich auch auf die Rechtschreibe-Qualität ausgewirkt.

Zu Hause hat meine Abwesenheit Spuren hinterlassen. Ich bin in der Familie derjenige, der am ehesten Bananen isst. Vor allem wenn ich spüre, dass die ersten braunen Pünktchen auf den Früchten auftreten, esse ich Bananen, auch wenn ich im Moment vielleicht keine grosse Lust habe. Soll ich weitererzählen und sagen, was ich in der Glasschale vorgefunden habe, als ich vom Flughafen nach Hause kam? Nicht nötig, denke ich ... :-)

Genauso, wie die Mädchen von den portugiesischen Knaben bejubelt worden sind, muss es ihnen bei der Ankunft im Flughafen vorgekommen sein. Dass Eltern, Geschwister, Verwandte, Bekannte und Freunde mitfiebern, haben wir auf Grund der Gästebucheinträge schon vermutet. Aber der Kuhglockenlärm in der Ankunftshalle war überwältigend! Die Mädchen haben sich diesen Empfang und den Apéro verdient, ich freue mich sehr für sie, dass das Abenteuer Portugal 2010 einen würdigen Abschluss gefunden hat (und am Donnerstag noch einmal finden wird).

Das Thema "Kommunikation" habe ich ja immer wieder angesprochen in meinen Blogs. Nicht immer wurde rechtzeitig und richtig kommuniziert. Mit unseren Spielerinnen hatten Bruno und ich während der Spiele grösste Mühe zu kommunizieren. Zum Glück hat in Basel die Kommunikation zwischen meiner Frau und mir geklappt. Zugegeben, wir standen auch sehr nahe beieinander, als wir uns was zu sagen hatten, und es haben nicht Hunderte von portugiesischen Schüler/innen in der Halle geschrien. Meine Botschaft kam an. Folge der perfekten Kommunikation zwischen uns zwei war ... dass ich am Abend mit allergrösster Lust einen Teller mit Speckrösti und geschmolzenem Käse verschlungen habe. Kein Fisch, keine Teigwaren, sondern pure Schweizer Kost.

Ich gratuliere Beat Jucker und Yannick Ulmann zu ihrer Ernennung zu EHF-Schiedsrichtern. Leider haben wir sie nie pfeifen gesehen. Laut Yannick wurden sie vom rumänischen Mannschaftsdelegierten mit dem Kommentar "zero points!" eingedeckt, aber die verantwortliche Kommission sah die Leistung der beiden Rheinfelder, die notabene zu unseren Sponsoren (!) gehörten (Lisa fragen, wie es dazu kam ...), anders. Beat und Yannick, ich wünsche euch viel Karriere-Glück, die Zeit mit euch in Portugal war nicht nur spannend, sondern auch sauglatt ...

Muss ich erwähnen, dass am Samstagmorgen unser Luis zu spät zum Bus kam? Nein, ich tue es nicht ... . Auch einige unserer Mädchen schafften es nicht rechtzeitig. Mir ist noch der Dialog am Vorabend im Kopf. Ich: "Ich wird am Viertel vor föifi a de Türe chlopfe und eu wecke. Mer müend ja am zwändsg ab föifi vor em Hotel sii, denn chunnt de Bus." Eine Spielerin (Datenschutz ist mir wichtig :) ) : "Spinnsch, das isch vil z früh!" Ich: "Föifi? Aber das langet ja chuum." Andere Spielerin: "Mir packet dänk scho, bevor mer is Bett gönd." Ich: "OK. Aber denn müend würklech au am zwändsg ab föifi dunnde sii, ich verlah mich druf." Mehrfaches wildes Kopfnicken. Bumm. Türen zu. Ich: Gemischte Gefühle ... denn nicht immer wurden die Zeiten eingehalten. Ich kam am ersten Tag einmal zu spät, weil ich bei der Umstellung von Schweizer zu portugiesischer Zeit den Minutenzeiger nicht sauber eingestellt hatte. Ich dachte, ich sei pünktlich, aber dem war nicht so. Die Mädchen haben mich aber in der Folge mit Unpünktlichkeit überholt. Wer möchte es ihnen verübeln, wenn in den beiden ersten Tagen der Bus jeweils dann kam, wenn wir schon halb verfroren eine lange Zeit wartend verbracht hatten. Das war der Killer für jegliche Zeitdisziplin ... . Ach ja, ich bin das Resultat des Spiels "pünktlich gegen unpünktlich" noch schuldig. Glatte 5:11 - Niederlage für "pünktlich" (ohne Bruno, der direkt von seiner Hotel-Suite mit Jaccuzzi zum Flughafen fuhr), mit Luis wärs 5:12.

So, damit komme ich langsam aber sicher zum Ende meiner Premiere als Blog-Schreiber. Mir hat es Spass gemacht, euch in der Schweiz über das tägliche Leben des Turniers zu informieren. Euren Reaktionen zufolge habe ich nicht vergeblich Stunden damit verbracht. Liebe Sandra und Angi, damit erlöse ich euch vom "Jetzt-schaue-ich-wieder-rein-vielleicht-steht-was-Neues-drin"-Stress. Hat Spass gemacht.
 
Freitag, 26. März 2010
 
Wenn ich jetzt viel schreibe, dann bin ich nicht gezwungen, mich schlafen zu legen ... mal sehen. Ab jetzt sind es noch zweieinhalb Stunden. Bruno ist schon fertig (wie fast immer). Ich habe mich mit Elisabeth und den beiden deutschen Trainern Wolfgang und Ingo in ein Restaurant gesetzt (es war um zehn vor eins bumsvoll mit Familien mit kleinen Kindern ...) und ein Bier getrunken. Ich habe wegen gestern ein schlechtes Gewissen gehabt, weil mich die Deutschen noch in der Bar erwartet haben und mit uns auf den Sieg gegen Tschechien anstossen wollten! Jetzt haben wir dies halt heute noch nachgeholt - auch wenn wir zwei Mannschaften nichts zu feiern hatten. Deutschland gegen Fankreich (Lenas Mutter: "Unterirdisch schlecht gespielt.") und die Schweiz gegen Israel: "Null Punkte, zéro points" ... Ich finde es stets schön, ein Turnier mit einem Sieg zu beenden, egal um welchen Platz man spielt. Wolfgang habe ich gesagt, irgendwann mal Erfurt zu besuchen, und Sasa, der slowenischen Trainerin, habe ich angedeutet, dass eine Reise nach Slowenien leider nicht zuoberst auf meiner Prioritätenliste steht.

Es sind die vielen Kontakte zu Trainer/innen, Spieler/innen, Volunteers ("Obrigado, Antonio!") und Offiziellen, die mich in diesen zehn Tagen ebenso fasziniert haben wie unsere Mannschaft und ihre Turnierleistung. Zum Glück weiss ich, dass mich das reale Leben bald schon wieder eingeholt haben wird (zu Hause warten drei (oder vier?) Prüfungen darauf, korrigiert werden). Für die Wehmut, die mich in den Momenten des Abschieds jeweils erfasst hat, hats also nicht viel Platz.

Ich habe aber miterleben dürfen, wie unsere Spielerinnen mit solchen aus anderen Mannschaften geschwatzt, gelacht und einander Küsschen gegeben haben, und das ist doch auch ein kleiner Sieg! Die Leistung unseres Teams werde ich erst nächste Woche, mit ein wenig Distanz, beschreiben können.

Ich nehme mir vor, noch einen abschliessenden Blog zu schreiben. Aber heute Samstag ist erst mal Schlafen angesagt, und wer weiss, vielleicht gibt es zu Hause eine feine Speckrösti mit Käse überbacken ...

  PS: War ich jemals zehn Tage lang getrennt von meiner Frau, seit wir verheiratet sind?

Ich packe jetzt die Koffer und gehe doch noch ins Bett. Mittlerweile ist es drei Uhr, um Viertel vor fünf gehts schon wieder los.
 
Donnerstag, 25. März 2010
 
"Dani? ... Sorry that I wake you up. But the organisation has just called me."
Ein kurzer Blick auf den Wecker. Kein Wunder, habe ich nicht sofort realisiert, dass das hausinterne Telefon geklingelt hat - und wo ich es finden kann. Es kommt schliesslich nicht jeden Tag vor, dass mich jemand um 03:20 Uhr aus dem Bett holt. "The bus will wait at the hotel at ten o'clock. You will go to a big shopping center." Aha. Also über Nacht neue Anweisungen. Von shoppen habe ich bis jetzt noch keine Kenntnis gehabt. Die Deutschen auch nicht, die Sloweninnen desgleichen. "Geht ihr mit uns zusammen in das Shopping Center?" "Shopping Center?" "Ja, wir (Schweizer) werden um halb zehn Uhr abgeholt. Ungläubiges Staunen von Wolfgang, Ingo und Kathrin. Ich denke mir: "Hab ich was falsch aufgefasst?" Dieses eventuelle Missverständnis kann wohl nur Luis auflösen. An der Türe des Zimmers 11 muss ich zweimal intensiv klopfen. Was mich nicht verwunderte, denn am Abend zuvor war ja Disco. Die kleinen Äuglein von Luis bestätigen meine Vermutung. "Do we really go to the shopping center?" - "Yes, yes." Also, zurück zu den Deutschen im Frühstücksraum. "Wir fahren um 9 Uhr 30 ab." "Wir wissen von nichts." Also, ein zweites Mal zum Zimmer 11. In diesem Zimmer sind alle vier Guides, von uns, von Slowenien, Deutschland und Polen. Das heisst, es sollten vier sein. Der Guide der Polinnen ist irgendwo. Wo genau, das weiss nun wirklich niemand. Ich sage den Guides der Deutschen und Sloweninnen, sie sollten sich doch jetzt aus dem Bett machen und ihre Pflichten wahrnehmen. Sie sahen nämlich ziemlich ratlos aus ... Schluss dieser Episode ist, dass die Sloweninnen und Deutschen im Bus auf die Polinnen warteten. Diese kamen zu spät oder gar nicht (die polnische Trainerin hat gerüchteweise den Discobesuch nicht "unfallfrei" überstanden).

Im Shopping Center waren sie auf den Ansturm der Läden durch die vielen Spielerinnen und Spieler der Mannschaften vorbereitet. In der ersten Viertelstunde haben sie aber gar nichts verkauft. Wundert mich ja auch nicht. Die Läden waren ja noch geschlossen, als wir ankamen.

Ich habe mich im Shopping Center zu den beiden Deutschen gesetzt und feststellen müssen, dass sie uns zwar mit 46:4 geschlagen haben, aber nach ihrer Viertelfinalniederlage gegen Österreich doch ziemlich enttäuscht waren. Ich habe dies meinen Spielerinnen gesagt: "Verkehrte Welt. Wir sollten doch eigentlich viel enttäuschter sein." Aber die Zielsetzungen der Deutschen waren halt dermassen viel ambitionierter, dass sie verständlicherweise heute morgen nicht mehr gross Lust hatten, einkaufen zu gehen. Wir sind nach der x-ten Niederlage noch immer guten Mutes, den ersten Sieg zu landen.

Diesen so ersehnten Sieg haben wir nun endlich, endlich in der Tasche. Es war harte Arbeit, und das Spiel war, so paradox dies tönt, nervenaufreibender als die hohen Niederlagen in den vorherigen Spielen. Einen Fünftorevorsprung noch preiszugeben und das Spiel fast zu verlieren ist nichts für Schwache.

Jetzt müssen wir morgen früh raus, um nach Guimarães zu kommen. Dort spielen wir um neun Uhr um den zweiten Sieg. Wir haben heute erfahren dürfen, dass viele Fricktaler unser Spiel mehr oder weniger live mitverfolgen konnten, das motiviert uns, auch morgen, nochmals alles an Energie zusammenzukratzen und Israel zu schlagen. Hoffentlich diesmal ohne Unterbruch: In der ganzen Region fiel während des Spiels der Strom aus wegen eines starken Gewitters. Wir haben uns nach einer Wartepause entschlossen, die erste Halbzeit ohne Licht in der Halle zu Ende zu führen. Zu Beginn der zweiten Hälfte funktionierten sowohl die Lichtanlagen wie auch die Anzeigetafel wieder.

Der Ausgang mit der Mannschaft in die Innenstadt nach Braga war ein schönes Erlebnis. Mit fünf Taxis in die Innenstadt, die wir zuvor noch nie gesehen hatten, danach Bummel durch das Zentrum und dann flugs in einen zufällig noch offenen Souvenirshop. Ich bin es ja gewohnt, als Ehemann und Vater von drei Mädchen vor den Lädeli zu warten, bis meine Begleitungen ihre Käufe abgeschlossen haben. So auch hier. Mit dem Unterschied, dass es draussen nicht zwischen null und fünf Grad "warm" ist, sondern normalerweise etwas mehr ... und danach sind wir noch Glacé essen gegangen, an einem kalten Frühlingstag in Portugal ... herzlichen Dank, Frau Keller und Roger, für die Einladung!
 
Mittwoch, 24. März 2010
 
Voilà, geht doch ... Brunos Blog ist noch nicht angekommen. Ich könnte jetzt aufhören zu schreiben, dann wäre ich endlich mal schneller als er. Aber wer mich kennt ... ich gebe immer alles (oder versuche es zumindest), also schreibe ich einen normal langen Blog und bin trotzdem noch schneller als Bruno, das muss das Ziel sein.

Genau diese Kämpfermentalität legen unsere Mädchen an den Tag. In jedem Spiel. Zu jeder Sekunde. Wer in der Schweiz noch immer denkt, dass wir hier einen auf "Touris" machen und die Spiele locker hoch verlieren, der muss einmal hautnah miterleben, wie sich hier das komplette Team das Herz zerreisst. Ich muss zugeben, heute habe ich dies meiner Frau am Telefon gesagt (obwohl sie das natürlcih schon lange wusste) und dabei Tränen in den Augen gehabt vor Ehrfurcht, Stolz, Mitleiden und Mitfreuen oder was auch immer. Es ist schön, Teil dieser Mannschaft zu sein, die sich jeden Tag für das Ziel hingibt, endlich den ersten Sieg zu landen! Die Kräfte werden weniger, die Verletztenliste länger, die Anzahl derjenigen Spielerinnen, die noch spielen können schrumpft und ihre Spielzeit pro Match dementsprechend grösser.

Heute morgen habe ich Elisabeth und Bruno gesagt, ich wüsste den Aufhänger für diesen Blog, aber mittlerweile habe ich ihn wieder vergessen. Vielleicht liegts daran, dass wir zu viele Postkarten geschrieben haben. Wir möchten uns bei allen Sponsoren - für welchen Betrag auch immer - mit einem Gruss aus diesem Land bedanken. Vor dem Mittagessen an der Uni haben wir vorerst einmal zwei Drittel aller Karten geschrieben und frankiert. Bruno hat diese Karten besorgt, vorerst einmal 179 Stück ... Das ist halt der Unterschied zwischen Versprechen (unser Guide Luis: "This afternoon you will get the postcards!" ... das war am letzten Samstag) und Tun (Bruno: "Ich besorge uns Karten!"). Bruno setzt Worte in Taten um.

Heute habe ich iranische Gastfreundscahft erlebt. Der iranische Trainer hat sich in der Warteschlange vor dem Mittagessen bei mir eingedrängt und (plausibel) erklärt, seine Mannschaft esse schon und er müsse mit ihr in Bälde ins Hotel, um sich vor dem "Viertelfinalspiel" (1. Zwischenrunde) noch schlafen zu legen. Zu den Dutzenden von "Excuse me" und "Thank you" hat er mir noch eine traditionelle iranische Holzdose geschenkt. Andere Länder, andere Sitten, das ist ja auch das Schöne an dieser WM.

Spannend ist mitanzusehen, wie sich alle Teams in unserer Vorrundengruppe für die anderen Mannschaften und deren Resultate in der ersten Zwischenrunde interessieren und einander Glück wünschen. Wir hatten wirklich eine gute Gruppe mit sympathischen Teams und Spielerinnen, und wir verstehen uns mit den Deutschen sehr gut. Sie sind ja im selben Hotel wie wir. Zum Glück konnten wir vor unserer Abfahrt in die Sporthalle noch schnell den Beginn des Spiels Deutschland - Österreich anschauen und wenigstens noch fünf bis zehn Minuten für die deutsche Mannschaft "fanen". Genützt hat es leider nix, sie haben gegen Österreich mit 13:16 (!) verloren.

Auch wir haben ja das gleiche Schicksal erlitten. Da haben alle Tipps, die ich mir bei den Brasilianerinnen (ihr Coach hat erklärt und die Spielerinnen haben von portugiesisch auf englisch übersetzt) geholt habe, nichts geholfen. Wir wussten von der besten zypriotischen Spielerin, dass sie in einem Spiel 18 Tore geworfen hat. Brasilien hat gegen Zypern gewonnen, und ich wollte von Brasilien wissen, wie sie taktisch vorgegangen sind. Und diese Spielerin? Auf dem Matchblatt, das wir nach dem Spiel als Kopie erhalten, steht "22 Tore" hinter ihrem Namen ...

Ein Erfolgserlebnis gab es für uns heute aber doch noch: Die bulgarische Knabenmannschaft hat ihr Spiel mit 18:67 verloren - somit sind wir die zweifelhafte Ehre los, die Mannschaft mit der höchsten Differenz in einem Spiel (gegen Deutschland, 4 : 46 ) zu sein. So ist es halt, wenn es gegen Ende der Gruppenphase noch um die Tordifferenz geht. Die Schweden seien ab wie die Feuerwehr gegen die bemitleidenswerten Bulgaren. Aber auch die Bulgaren haben heute schon wieder Scherze gerissen beim Anstehen in der Mensa ...

Immer wieder erhalten wir von den gegnerischen Teams vor dem Spiel ein kleines Präsent. Wir allerdings haben das völlig verschlafen. Dem hat Elisabeth heute entgegengewirkt und vor dem Spiel gegen Zypern zwei Päckli voll kleiner Goldhasen von Lindt gekauft. Bruno und ich haben vor dem Spiel den beiden zypriotischen Trainer ( -in) mit den Schoggihasen beschenkt, worauf die Trainerin in Jubel ausgebrochen ist, der Trainer allerdings kritsch gemeint hat: "fat!", und dabei hat er sich fein über seinen ziemlich dicken Bauch gestreichelt.

Der Ordnung halber schreibe ich noch: "Heute war der ganze Tross in einer Disco."

So, ich glaube, ich schliesse diesen Blog langsam aber sicher für heute. So komme ich doch noch zu einem Sieg, dem Sieg über Bruno. Ist ja streng genommen aber auch nicht schwierig, schliesslich zieht er ja noch mit unserem "Best Volunteer" Antonio "Tony" Oliveira durch die Gassen von Braga. Nicht, dass ihr zu Hause Böses denkt, Bruno ist sonst wirklich top seriös.
 
Dienstag, 23. März 2010
 
Aiaiai, Bruno war schon wieder schneller als ich mit seinem Blog ...

Gestern habe ich unseren "Goldschatz" Elisabeth gelobt, heute möchte ich das für dich tun, Bruno: Wir zwei sind handballerisch aus dem gleichen Holz geschnitzt. Dass du das Coaching im Polen-Spiel heute übernommen hast, gab mir die Gelegenheit, unsere Mädchen mal zu filmen von der Seitenauslinie, und ihnen auf dem Bänkli individuelle Tipps zu geben. Die beiden deutschen Trainer Wolfgang und Ingo haben mich heute hochgenommen, wie sie mich mit beiden Apparaten haben gleichzeitig Filme aufnehmen und Fotos schiessen sehen. Zu dir zurück, Bruno: So ganz gleich sind wir nun aber doch nicht. Deine Stoppeln sind nach lange nicht so lang wie mein Schnauz, da musst du dich noch bis zu den Sommerferien nicht mehr rasieren ... wenn deine Chefin dies zu Hause zulässt :) . Danke, Bruno! Ich finde, nicht nur die Mädchen sind ein Super-Team, wir zwei, zusammen mit Elisabeth, sind es auch.

Wie Wolfgang und Ingo mit mir noch geplaudert haben kurz vor Mitternacht, sind die deutschen Eltern, die als Fans zehn Tage hier sind, dazugestossen. Ich habe mich bei ihnen bedankt für ihre grossartige Unterstützung während des gestrigen und des heutigen Spiels. Sie haben euch Mädchen in ihr Herz geschlossen, weil sie spüren, welch grossartigen Teamgeist und welche Moral ihr nach aussen zeigt. Lisa würden sie sofort in ihre Mannschaft aufnehmen, was mich nicht verwundert, und ebenso wenig überrascht mich, dass sie an Joanas Kampfgeist und heute vor allem an Jacqueline ihre helle Freude gehabt haben ...

Vor dem Polen-Spiel hat Italien sein letztes Gruppenspiel gespielt und wir mussten mit ansehen, wie die Portugiesinnen als Gegner um zwei Klassen schlechter gespielt haben als noch gegen uns. Dies war insofern wichtig, als dass die Italienerinnen nur mit wenigen Toren Unterschied verloren haben. Unsere Chance, Italien noch über die Tordifferenz zu packen und somit Gruppenfünfter zu werden, war so vor unserem Polen-Spiel auf ein Minimum gesunken. Dass sich die Mannschaft trotz mässigem Start nie aufgegeben hat, spricht einmal mehr für sie.

Der Nachmittagsausflug wurde zu einem VIP-Konvoi an den Atlantik: Eskortiert von Töffs und Autos mit Blaulicht bewegte sich die moderne Karawane mit einem Dutzend Reisecars am Stück über die Autobahn und durch kleine Fischerdörfer ... um am Meer eine halbe Stunde Aufenthalt einzulegen, bevor es wieder eine Stunde lang zurück nach Braga ging. Ich bin sicher, dass einige Spielerinnen einen Waggel zum Lidl oder zum H&M dieser Kafifahrt vorgezogen hätten.

Mittlerweile haben wir erfahren, dass mogen am späteren Nachmittag die Mannschaft aus Zypern auf uns wartet. Wir haben eigentlich mit Brasilien gerechnet, aber wir nehmen es, wie es kommt.

Erfreulicherweise kommt meine Stimme wieder in Schwung, dann kann ich an der Seitenlinie mehr Einfluss nehmen als heute. Dank dir, Mami (ähm, Elisabeth ... :), deine Cassis-Lutschtabletten schmecken nicht nur gut, sie tun es auch).

Und zum Schluss noch ein Wort zu euch, Mädchen (oder besser gesagt: Spielerinnen): Wie ich sehe, wie ihr euch um unsere verletzte Jenny kümmert, wird es mir richtig warm ums Herz!
 
Montag, 22. März 2010
 
Bom dia!

Dies war emotional der schönste und zugleich aufreibendste Tag. Ich schreibe den Blog nicht wie gewohnt zu nächtlicher Stunde, sondern erst am nächsten Morgen. Ich bin noch im Bett, habe den Wecker vorgestellt. Frühstück gibts in einer Stunde.

Was für eine emotionale Achterbahn gestern! Das Unentschieden im Morgenspiel gegen Italien, in welchem sich die Mannschaft vom 3:8 zurückgekämpft hat bis zum Unentschieden. Und dann in der Halle gefeiert wurde für den Team-Spirit. Alle Schülerinnen und Schüler, die das Spiel mit der Klasse anschauen durften, haben am Schluss Autogramme haben wollen! Wollten Küsschen haben von den Spielerinnen, sich mit ihnen fotografisch auf ihrem Natel festhalten ... einfach sensationell.

Dann, im Nachmittagsspiel, der Ausfall von Jenny, die sich offenbar das Knie verdreht hat. Ins Spital gebracht wurde, um dort medizinisch betreut zu werden. An dieser Stelle will ich dir, Elisabeth, für deine unendlich wertvolle Arbeit endlich einmal "Danke!" sagen, du bist eine grossartige Unterstützung und eine enorm wichtige Mannschaftsstütze! Das hast mit Jenny zum Glück noch rechtzeitig aus dem Spital an die "Begegnung der Nationen" kommen können, wir waren sehr erleichtert, euch wieder bei uns zu haben.

Diese Begegnung aller Mannschaften in der Uni-Sporthalle war für mich das Kernstück der WM. Unabhängig von der sportlichen Leistung trafen sich alle Spielerinnen, Spieler und Mannschaftsverantwortliche in der Halle. Jedes Land hatte seinen Stand und hat an diesem Stand sein Land präsentiert und zum Teil auch Kulinarisches mitgenommen. Unsere Schweizer Schoggi und die Läckerli, die trotz der Gewichtsbeschränkung des Gepäcks auf dem Hinflug noch in den Koffern Platz hatten, mitgereist sind, sind verteilt und wohl zum Grossteil gegessen. Die slowenische Mannschaftsbetreuerin, meine Tanzpartnerin (...), hat ihr Toblerone-Stück als Souvenir behalten.

Jedes Land hat sich noch auf seine Art mit einer Powerpoint-Präsentation, einem Lied oder einem Tanz den anderen Nationen zeigen können. Da wir als 24. Team von 26 an der Reihe waren, war die Halle um elf Uhr nachts schon fast leer. Der Anlass hatte sich schon so fest in die Länge gezogen, dass viele Teams bereits ins Hotel zurückgefahren waren. Dafür waren die wenigen Mannschaften, die bei unserem Song "Heimweh" von Plüsch, umgeschrieben und auf die WM angepasst, noch anwesend waren, begeistert. Wir haben schliesslich auch oft geübt. Zum Glück war meine Stimme nach dem vielen Schreien beim Coaching (die Hallen sind akustisch ganz schlecht dafür geeignet) schon so lädiert, dass ich kaum einen Ton rausbrachte, so habe ich den Mädchen nicht dauernd falsch reingesungen ...
Anschliessend nach unserem Lied haben die Türken und die Portugiesen noch je einen Tanz aufgeführt, und da haben alle Mannschften, die noch dort waren, mitgemacht und richtig Gas gegeben, das war fantastisch und eben für mich auch ein Highlight, weil der Kontakt zu den anderen Jugendlichen aus allen Kulturkreisen Europas hier noch einmal richtig zum Ausdruck kam.

Jetzt gibts dann Frühstück und dann werden wir gegen Polen noch einmal kämpfen im letzten Gruppenspiel, um in der Gruppe noch vor Italien als Fünfte klassiert zu sein. Im Moment sind wir sechs Minustore hinter ihnen. Aber - und das ist ganz wichtig, wir haben uns gestern in einem fantastischen Spiel, einen Punkt erspielt!
 
Sonntag, 21. März 2010
 
Nein, ihr habt uns zu Hause nicht sehen können im Internet Live Stream. Und: Nein, ihr habt nichts verpasst. Und: Ja, uns wäre dies ein wenig peinlich gewesen. Schliesslich verliert man nicht alle Tage so hoch. Aber die deutschen Mädchen kommen nun mal aus einem Gymnasium in Erfurt, das sich auf seiner Internetseite folgendermassen beschreibt:

"Das Pierre-de-Coubertin–Gymnasium ist eine Spezialschule für Sport in Trägerschaft des Freistaates Thüringen.
...
In unsere Spezialschule werden, entsprechend der Thüringer Schulordnung, nach Absprache mit den Landesfachverbänden sportlich talentierte Mädchen und Jungen aufgenommen, die in den Sportarten ... , Handball, ... gefördert werden."

Na also. Wir haben unser Bestes gegeben, nie aufgesteckt und 1:1 Anschauungsunterricht genossen. Und dabei vier sehenswerte Tore erzielt.

Unser Guide Luis. Müsste ich ihn charakterisieren, würden mir drei Sätze in den Sinn kommen: "I don't know." Drei Viertel Sekunden später (bei gleichzeitiger Hebung der linken Hand mit einer beschwichtigenden Geste und dem parallel dazu reflexartigen Griff zum Handy in der Hosentasche mit der rechten Hand): "But I will call." Und mit einer Zuverlässigkeit sondergleichen kommt dann eine Minute oder einige Minuten später der beruhigende Satz: "The organisation has called me." In dieser Beziehung ist Luis zuverlässig, und dass er mitten in der Nacht die Meldung erhält, unser auf 15:00 Uhr angesetztes Spiel sei schon um 12:00 Uhr, dafür kann er nun wirklich nichts. Aber dass er mir diese Meldung erst um 9:30 Uhr verrät, nachdem ich ihm telefoniert und gefragt habe, ob der Tagesplan noch stimme, hat mich nicht sehr glücklich gemacht.

Und Bruno auch nicht. Der ist nämlich um diese Zeit bereits im Bus, im (jetzt natürlich falschen) Wissen, er fahre zur Universität und treffe uns dort. Aber Bruno ist flexibel und hart im Nehmen. Schliesslich hat er Paul als Fahrer, und das ist nicht unbedingt nervenschonend.

Nach dem Spiel gingen wir essen und fuhren anschliessend zurück ins Hotel. Dort konnten wir uns erholen und vorbereiten auf den kulturellen Anlass, den gemeinsamen Besuch der Stadt Guimarães. Sie sieht wunderschön aus und ist der Geburtsort von Portugal, also historisch von grosser Bedeutung.

"Hello, Daniel, this is Luis." ... "The organisation has called me. Guimarães is cancelled. You have the evening free." Und so kam es, dass wir die vier Tore gegen Deutschland wie einen Sieg feiern konnten. Mit 16 McFlurrys im McDonalds beim grossen Kreisel unterhalb der Universität von Minho in Braga, einem doppelten Espresso und zwei Meio de Leite.

Draussen im Gang und in den Hotelzimmern ist es ruhig. Schliesslich ist morgen das wichtige Spiel gegen Italien um den zweitletzten Platz in der Gruppe. Dieses Spiel gewinnen WIR!

Hoffentlich wird dieses Spiel programmgemäss angepfiffen, damit ihr in der Schweiz auch was von der wunderbaren WM-Atmosphäre mitkriegt. Ich habe mich schon mit so vielen Spielerinnen, Spielern und Trainern aus allen Ländern (sogar aus dem Iran) unterhalten und spannende Gespräche gehabt. Es ist wirklich eine Begegnung der Nationen.

A propos "Begegnung der Nationen": Jetzt bereite ich noch das Plakat für den morgigen Abend vor, der unter genau diesem Motto steht. Schliesslich möchten wir ja nicht nur auf dem Spielfeld (wir sind von offizieller Seite für unsere Super-Moral trotz zwei deutlichen Niederlagen gelobt worden und die deutschen Fans haben unsere Tore auch bejubelt) eine gute Figur machen, sondern auch am gemeinsamen Fest. Wir werden singen, das Lied "Heimweh" von Plüsch mit abgeändertem Text. Beim Proben bin ich schon so oft nicht im Takt gewesen, dass muss morgen anders werden!

Ach ja, und ich darf Brunos Tasche nicht vergessen ... Brunos Tasche? In meinem Hotelzimmer? Doch lest selbst, in seinem Blog von heute. Wie immer geschrieben hoch oben auf dem Berg, bei den "Meh-Besseren" ... Ach, Bruno, ich wünschte, du müsstest nicht jeden Abend in dein abgelegenes Hotel hoch fahren. Das würde mir eine Menge Handy-Telefonate ersparen ...
 
Samstag, 20. März 2010
 
Ein langer Tag geht zu Ende. Wir waren seit zehn Uhr Morgens unterwegs und sind erst jetzt, um Mitternacht, nach Hause gekommen. Das macht vieles etwas schwieriger: Keine Rückzugsmöglichkeit im eigenen Zimmer, kein Blog-Schreiben (Von den Spielerinnen einen Blog-Eintrag zu erwarten, wenn sie nachts spät und müde nach Hause kommen? Nein ...), kein Bilder-Hochladen, immer auf Achse.
Am Morgen fuhr uns der Bus in die Universitäts-Sporthalle, wo wir das Spiel der Knaben zwischen Zypern und Slowenien anschauten. Besser gesagt anschauen mussten, denn wir wären eigentlich lieber nach Nogueira gefahren zum Eröffnungsspiel unserer Gruppe zwischen Deutschland und Portugal. Aber die Halle ist so weit draussen, das war zu Fuss nicht machbar. Und der Shuttle-Service, den sie an der WM anbieten, fährt nicht direkt an unserem Hotel vorbei.
Bruno hat sich dieses Spiel angeschaut und uns per Natel informiert, wie beeindurckt er von der Atmosphäre dieses Spiels sei - und auch von der Qualität der beiden Mannschaften. Wir könnten uns im Nachmittagsspiel gegen Portugal (diese Mannschaft spielte heute zwei Spiele) auf einen sehr guten Gegner gefasst machen und morgen auf Deutschland, das die Portugiesinnen geschlagen hatte.
Wie gesagt, statt nach dem Spiel ausruhen zu können, mussten wir in die Mensa zum Mittagessen und danach wieder auf den Bus warten, der uns zu unserem Startspiel brachte.
Helle Aufregung dann um 13:15 Uhr: Sofort zum Bus kommen, das Spiel wird vorverlegt. Wir also raus an die frische Luft, wo wir im Regen fast eine halbe Stunde auf unseren Bus warteten ... . Nächste Überraschung: Der Veranstalter hat uns zu einer anderen Halle gebracht als derjenigen, in der wir spielen sollten. Unsere Spielhalle (die Halle, in der wir am Freitag noch trainiert hatten) war wegen des andauernden Regens so feucht, dass die Spielerinnen im Morgenspiel in den Gegenstössen reihenweise ausgerutscht sind.
Das Resultat des Spiels gegen Portugal ist nicht berauschend (12:34), aber die Mannschaft hat fast das Optimum abgerufen und bis zum Schlusspfiff nicht aufgegeben. Wir wussten, dass wir mit grösster Wahrscheinlichkeit eine kleine Packung erhalten werden. Immerhin konnten wir bis zum 2:2 mithalten :) .
Danach wieder Essen inder Uni-Mensa und Warten auf den Bus. Auf direktem Weg gings zur Eröffnungszeremonie ins 45 Minuten entfernte Fafe. Diesmal mit den Iranern (hab ich da mal was von Höchstalter für Teilnehmer gelesen?) und den Italienerinnen im gleichen Bus.
Und nach dem Anlass nach Hause, wie immer mit Umwegen. Lisa musste dem Buschauffeur den Weg durch Braga zeigen, weil dieser sich verfahren hatte ... obwohl unser Guide Luis neben dem Fahrer gesessen hatte ...
 
Freitag, 19. März 2010
 
Heute haben wir unser erstes Spiel - ich freue mich riesig darauf!

Heute?

Ja, heute. Schliesslich ist heute Samstag, aber eigentlich gehört dieser Blog noch zum Freitag. Also: Heute Samstag werden wir um 15:00 Uhr (bei euch in der Schweiz wird es 16:00 Uhr sein, Livestream per Internet nicht verpassen!) unser erstes Spiel spielen.

Und doch schreibe ich über den Freitag, denn schliesslich ist es ja erst zwanzig Minuten nach Mitternacht, und ich bin grad erst vom Meeting nach Hause gekommen ... und Bruno hat seinen Blog bereits geschreiben. Das ist nicht, weil Bruno schneller im Tippen ist als ich. Aber erstens war das Meeting für die Delegationsleiter und Coaches in seinem Hotel hoch oben auf dem Berg (natürlich hat es mehr Sterne als unseres, aber unseres ist schon sehr gut!), und zweitens haben wir noch eine kleine Rundfahrt durch die Gegend von Braga gemacht. Mit Blaulicht. Na ja, nicht sofort nach dem Meeting. Nach dem Meeting haben wir erst mal eine halbe Stunde auf den Bus gewartet, der uns Coaches wieder nach Braga zurückbringen sollte. Nach dreissig Minuten, die wir wartend im Bus verbrachten (vor dem Hotel von Bruno ...), ist der Chauffeur losgefahren, um nach zehn Minuten im Hinterland einen Gast in einem Hotel abzuliefern. Um dann ... man ahnt es ... wieder zu Brunos Hotel zurückzufahren, um einen anderen Gast noch aufzunehmen - der aber dann doch nicht kamen. Auf die Frage "Why are we waiting?" des italienischen Coaches blieb der portugiesische Chauffeur erstaunlich gelassen. Nein, erstaunlich eigentlich nicht ... die Portugiesen, das habe ich in den zwei Tagen bereits gelernt, lassen sich eigentlich nicht aus der Ruhe bringen, die Italiener schon eher ... der Coach konnte sich übrigens ein "We are alle tired and must wait here." in wunderschönem Italienisch-Englisch nicht verkneifen, als er zum Platz zurückging. Und als ich dann noch laut lachte ob der skurrilen Szene, drehten sich vier genervte kroatische (glaube ich zumindest) und vier ebenfalls amüsierte schwedische Augen zu mir um.

Dafür gabs dann Blaulicht bis vors Hotel. Der Chauffeur wusste nämlich nicht, wie er seine Route wählen musste, damit alle Coaches innert nützlicher Frist in die verschiedenen Hotels verteilt werden konnten. Ich bin übrigens eingeschlafen und wachte just in dem Moment wieder auf, als der Bus vor meinem Hotel zum Stillstand kam. Ich weiss also nicht, ob wir noch ein drittes Mal vor Brunos Hotel ... nein, kann eigentlich nicht sein. Den Tumult, den dann der italienische Coach veranstaltet hätte, den hätte ich sicherlich mitbekommen.

Chauffeur und Busfahren ... war da nicht noch was am Freitagmorgen? Ach ja, natürlich. Der Weg ins Training. Vorneweg: Es hat durchaus Vorteile, wenn du an ein solches Turnier einen Tag früher anreist. Keine Hektik, alle vom OK haben Zeit, sich um dich zu kümmern. Es hat aber auch durchaus Nachteile. Du bist Vesuchskaninchen. An dir und deiner Mannschaft wird alles getestet. Unser Buschauffeur am Morgen hat zum Beispiel mit uns vierzehn Spielerinnen, Elisabeth und mir zusammen die Stadt Braga und deren Strassennetz kennengelernt. Und Strassenkreisel, von denen er noch keine Kenntnis hatte, hat er sofort zu verinnerlichen versucht, indem er sie dreimal befahren hat ... gleich hintereinander, versteht sich. Und weil er sich verfahren hat und die Sporthalle einfach nicht zu finden war, hat er ... noch einmal das Hotel aufgesucht. "Zurück auf Feld 1" hat er sich gedacht. Mit Erfolg: Einige Kurven hat er beim zweiten Mal mit viel mehr Tempo durchfahren, bei denen erst beim ersten Mal noch im Schneckentempo an den Strassenschildern vorbeizirkeln musste.

Da muss die Frage kommen, ob wenigstens der zweite Anlauf Richtung Sporthalle ... nein, nicht wirklich. Wir hatten schon am Morgen einen Vorfahrer, der uns den Weg wies ... einfach ohne Blaulicht. Genützt hats aber auch nur bedingt, denn auch unser Lotse musste nach dem Weg fragen ... und wir somit warten. Warten scheint hier unten wie eine neue Art von Freizeitbeschäftigung zu sein.

Das Training war dann gut. Etwas laut zwar, weil zuerst die Bauarbeiter noch in der Halle gearbeitet haben ("They will have finished in ten minutes!") und wir dann die Halle mit den Brasilianerinnen geteilt haben. Brasilien ... ein kleiner Vorgeschmack, dass wir an einer Weltmeisterschaft sind: Das Niveau der anderen Mannschaften ist hoch ...

Luis ist unser Guide. Er hat sich in der Halle vorgestellt und wird sich um unsere Belange während der Turnierzeit kümmern. Er ist wie ganz viele hier ein Volunteer, wie alle hier äusserst angenehm und freundlich und wie alle hier überaus bemüht für ein würdiges und gutes Turnier.

Vergesst die kleinen Patzer mit den Bussen. Das Turnier ist gut organisiert, das kommt gut, ich freue mich sehr! Und wenn ich die Szenen mit all den vielen Mannschaften, die in der Uni-Mensa ein- und ausgingen, wieder vor meinen Augen ablaufen lasse, und wie sich einige unserer Mädchen auf Englisch und auf Französisch mit jungen Burschen unterhalten haben, dann müsste ich vor lauter positiven Eindrücken gar nicht mehr schlafen können. Aber dafür bin ich nach dem Busfahren ohne Ende viel zu müde.

Und heute / morgen gehts wirklich los!

PS: Ich bin kurzfristig ins OK aufgenommen worden an der Trainersitzung. Ums Harz müssen sich die Mannschaften selber kümmern. Ist doch logisch, nicht wahr?
 
Donnerstag, 18. März 2010
 
Fliegen - Essen - Zimmerbezug ... Jetzt bin ich zu müde ... Mein erster Blog folgt morgen. Nein, halt: Doch noch was schon jetzt: "Danke" heisst auf Portugiesisch "Obligado". Lektion 1 erfolgreich abgeschlossen.